Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 32 von 113

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Rostem und Suhrab

Viertes Buch.

V i e r t e s B u c h .

 

32.

 

Im Schloßwall hinterm Tor, mit Sorgen und mit Trauer,

Nach seinem Kinde stand der Vater auf der Lauer,

Den Ungehorsam bald, bald ihren Uebermut

Laut schalt er, doch geheim lobt' er sein Heldenblut.

„Wenn sie nur unversehrt vom Abenteuer kehrt,

So sei nichts auf der Welt dem Töchterchen verwehrt;

Nur solch ein zweiter Ritt sei nicht von ihr begehrt!

Doch weniger mit ihr zürn ich, als auf Hedschir;

Sein Unfall riß mein Kind so hin mit Kampfbegier.

Wer aber rettet mir mein Täublein aus den Krallen

Des Habichts, dem zum Raub der Kampfhahn selbst gefallen?

Thu ich die Pfort hier auf, daß ich zur Hilf ihr eile,

Damit der alte Vogt des jungen Torheit teile?

Wart ich geduldig, bis der Himmel und ihr Glück,

Ihr Mut und kluger Rat mir bringt mein Kind zurück?“

Er sprachs, und lauscht' hinaus, und hört' ihr Rösslein traben;

Schnell tat er auf, um schnell sein Kind herein zu haben.

Gurdaferid ersah der Rettung offnes Tor,

Doch ihr Begleiter klomm hart hinter ihr empor;

Da kam sie ihm geschwind mit einem Sprung zuvor.

Sie huscht' hinein alsob sie flög auf Taubenschwinge,

Und rief: Nun warte, Freund, bis ich die Schlüßel bringe!

Der Schloßvogt schloß geschwind das Tor nach seinem Kinde

Gehäbe, daß kein Wind den Weg durchs Spältchen finde.

Sie war hinein, Suhrab war draußen auf dem Ross,

Des Schlüßels wartet' er zu dem verschloßnen Schloß.