Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 53 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 58

 

Doch Rostem sprach: Er mag nach mir nur lange blicken!

Solch edle Boten hat er nun nicht mehr zu schicken.

Wenn diese nicht an mir verdienten Botenbrot,

Wer tuts ihm dann? Er ist mir ganz und gar nicht Not;

Ich will nicht sein Geschenk, und will nicht sein Gebot.

Nach Sabul kehr ich heim, wo ich ein König bin

Wie Kawus, walten kann ich dort nach meinem Sinn.

Hier sind ja Ritter gnug, die Marken zu verteidigen!

Er soll nur alle wie den einen nicht beleidigen!

Ich aber zieh nach Haus, die Waffen leg ich nieder

In Frieden, und erheb im Leben sie nicht wieder

Zu Kampf und Schlachten, Blutvergießen, Mord und Wut;

Dem allem sag ich ab und hege Friedensmut.

Ich hab in Ehren lang genug das Schwert gefürt,

Und habe nun vom Schah den Lohn, der mir gebürt.

Warum half aus der Not ich ihm sooft, und bot

Die Hand, wenn Unverstand den Fuß ihm bracht in Kot?

Dafür hat er mir mit dem Galgen nun gedroht;

Weil ich ihm aufgetan einst in Masenderan

Den Kerker, wohinein sein Unsinn ihn getan;

Als von den Zauberern, Schwarzkünstlern und Dämonen

Er sich hinlocken ließ, die dort im Lande wohnen.

Des Landes Frühlingsglanz und goldner Schätze Reiz

Verlockte seine Lust, verlockte seinen Geiz,

Bis er mit seinem Heer und euch, ihr Fürsten, allen

Dort war in die Gewalt der bösen Macht gefallen:

Wer mußt euch da befrein, als ich, aus Teufelskrallen?

Doch was ich sonst getan für ihn und sein Iran

Und euch, ihr wißt es noch: was gehts mich ferner an?

Ich eile nun im Nu zur langen Waffenruh,

Und meine wol, ich bin nicht mehr zu jung dazu.

Ein Adler, der sich schwang wol ein Jahrhundert lang

Zur Sonn, am Ende wird ermatten auch sein Drang.

Als ich aus Sabul ritt, da war mir schwer zu Mut,

Als wär mir dießmal in den Krieg zu ziehn nicht gut.

Auch stolperte mein Rachs, dem nie ein Tritt misglückt, Und Helm und Schien hat mich zum erstenmal gedrückt.