Rostem und Suhrab
Kapitel 108
Noch floß das Blut, noch stand der Odem nicht, noch sah
Und fühlt' er, sterbend freut' er sich dem Vater nah.
Den Vater, ob ihm schon von ihm dieß Leid geschah,
Den er allein gesucht, den hatt er doch gefunden,
Und lag, wie er geträumt, von seinem Arm umwunden.
108.
Dort das Zuschauerheer, nichts schauend in der Hülle
Der Nacht, nachdem es erst vernommen ein Gebrülle
Vom Kampfplatz, nam es war jetzt eine Totenstille.
Sie ahneten, daß dort ein Unglück sei geschehn,
Und hatten nicht den Mut, mit Augen es zu sehn.
Da machten aus dem Heer von Iran einige Kühnen
Sich auf, und naheten zuletzt des Todes Bühnen.
Am Bache fanden sie, am Felsen, unter schaurig
Gesenkten Zweigen stehn die beiden Rosse traurig.
Wie sie da sahn den Rachs, den Thron des Rostem, leer
Von Rostem, eilten sie mit Klaggeschrei zum Heer,
Mit lautem Klaggeschrei: Tehemten ist nicht mehr!
Dahin ist Irans Hort! Rachs ist von Rostem leer!
Da kam ein Schreck aufs Heer, und wie ein Sturm das Meer
Bewegt, bewegte sie die Botschaft, dumpf und schwer.
In Aufruhr kam das Heer, und Alles trat in Wehr.
Die Pauke ward gerürt, und die Trommete klang;
Wie Wogen setzte sich das ganze Heer in Gang.
Vor ihrem Nahen drang den Kommenden voraus
Zur stillen Walstatt dort das wachsende Gebraus.
Rostem bei seinem Sohn aus seinem Todesschlummer
Erwachend, neu empfand er seinen Todeskummer.
In neuen Jammerton ausbrechen wollte schon
Sein Schmerz, da sänftigt' ihn mit sanftem Wort der Sohn,
Der seinen letzten Geist und letzten Hauch gewann,
Und sammelt' ihn, womit hinsterbend er begann Die Rede, die ihm leis', alswie sein Blut, hinrann: