Rostem und Suhrab
Kapitel 84
Zu Rostem, wo er saß im Zelte, kam der Bot:
Keikawus ist in Not, der Türke Suhrab droht.
Er droht ins Königszelt durchs Lager einzureiten,
Und Niemand ist als du im Stand mit ihm zu streiten.
Von seinem Sitz erhob sich Rostem nicht, und sprach:
Der Dienst des Königes ist lauter Ungemach.
Nicht Ruh bei Tag und Nacht, viel Arbeit, wenig Schmaus;
Ich war die Nacht erst aus, und bleib am Tag zu Haus,
Dem ersten Boten kam ein zweiter nachgeflogen,
Ein dritter, vierter auch, wie Pfeil auf Pfeil vom Bogen;
Und alle meldeten: Der Suhrab ist im Feld;
Da kann ihm keiner stehn, nur Rostem kanns, der Held.
Doch Rostem, wie er sah das wachsende Getümmel,
Den Lärmen um ihn her, rief: Fällt denn ein der Himmel?
Um einen Knaben, welch ein Ahrimansaufstand!
Um einen einzeln Mann welch ein Weltendebrand!
Nun aber kamen, hergesandt von Keikawus,
Die Fürsten, auch sein Sohn, auch sein Kronfeldherr Tus.
Die Waffen wurden ihm schnell von den Fürsten allen
Gebracht; er sagte nichts, und ließ es sich gefallen.
Den Panzer legt' ihm Tus, Gurgin die Schienen an,
Doch von Ferabors ward der Helm aufs Haupt getan.
Gurase reicht' ihm Pfeil und Bogen; Schwert und Sper
Und Keule trugen ihm drei Söhne Guders her.
Von seinem Eidam ward zuletzt ihm vorgefürt,
Gesattelt und gezäumt, der Rachs, wie sichs gebürt.
Doch wie Rostem den Rachs kampffertig sah, da rürte
In seiner Brust sich auch die Kampflust, und er spürte,
Daß er, ins Feld zu gehn, die volle Rüstung fürte.
Er gieng, und im Vorbeigehn nam er noch den Schild,
Indem er sprach: den braucht man auch im Kampfgefild.
In voller Rüstung sprang er auf den Rachs, und jach
Ritt er davon, ihm sahn mit Staunen alle nach.
Zwischen-Dekoration