Rostem und Suhrab
Kapitel 93
Denn so bedangen wir: dort wieder zu erscheinen,
Wie heut mit Heergeleit, ein jeder mit den Seinen.
Dort soll zu Fuß ein Faust- und Ringkampf uns vereinen;
Dann seht ihr, welches Heer um seinen Mann muß weinen!
Jetzt aber ziemt es uns, die Sorgen wegzuwischen,
Die spröden Lippen nach dem Kampfstaub anzufrischen
Mit Weinthau; Baruman, laß einen Schmaus auftischen!
93.
Indess im Lager lag schon Rostem beim Gelag,
Der noch beim kühlen Wein dacht an den heißen Tag.
Nur Suhrab wars, von dem er da erzälen mußte,
Suhrab, von dem man auch ihm zu erzälen wußte.
Keikawus sprach: Warum hast du den Wüterich
Uns auf den Hals geschickt, da du ihn namst auf dich?
Und hättest du nicht bald auf seine Bahn gerichtet
Dein Augenmerk; wer weiß, was er hätt angerichtet!
Wir haben hier ein Teil von seiner Art empfunden;
Doch selber sag uns nun, wie du ihn hast gefunden!
Er sprachs; doch Eifersucht und Aerger schwemmt' hinab
Rostem mit Wein, und tat den Mund auf von Suhrab:
Ich habe nie gesehn die gleichen Heldengaben,
Die Löwenmannheit nie, an so unreifem Knaben.
Ich hätte nicht gedacht, daß solchen Mann der Schlacht
Die Welt hervorgebracht, der mir so warm gemacht.
Er hat in jedem Kampf, in jedem Waffenwerke,
Mit mir die gleiche Kunst, mit mir die gleiche Stärke;
Und nur die Jugend die hat er vor mir voraus:
Mit ihm muß ich bestehn noch einen schweren Strauß.
Erst mit dem Sper hab ichs, dann mit dem Schwert versucht,
Mit meiner Keule dann, und er bestand die Wucht.
Zuletzt da dacht ich noch: Vor diesem rang ich doch
Schon manchen Helden hoch herab vom Satteljoch!
Da streckt' ich meine Hand nach seinem Gürtelband, Und zerrte wacker; doch ich fand: er widerstand!