Rostem und Suhrab
Kapitel 33
Da neigte Gurdafrid sich von der Zinne droben,
Und rief: Kehr um, o Held, umsonst sind deine Proben.
Kehr heim, der Abend naht, von deiner Waffentat
Zum Türkenlager, dort halt in der Nacht Kriegsrat!
Da dir der Handstreich heut aufs weiße Schloß mislang,
So rüst auf morgen dich zu einem neuen Gang!
Er blickt' empor und sprach: o schöne Persermaid,
Daß du treuloser noch als schön bist, thut mir laid.
Daß mir solch eine Braut, solch eine Burg entflogen,
Das reut mich nicht sosehr, als daß ich ward betrogen.
Nun, diese Burg ist doch nicht wie der Himmel hoch;
Und wär sie höher noch, herunter mußt du doch.
Herunter bringen werd ich dich, im Sturm erringen
Das Schloß, du brauchest mir die Schlüßel nicht zu bringen.
Sie sprach: Ereifre nicht, o schöner Türkenknabe,
So sehr dich, daß ich nicht gebracht die Schlüßel habe.
Der Vater hat sie selbst heut in Verschluß genommen;
Ich könnte, wollt ich auch, nicht zu den Schlüßeln kommen.
Auch deine Werbung hab ich heimlich ihm vertraut;
Er sprach: Ein Türke find in Iran keine Braut.
Ich rate dir, kehr um, und nim, die dein begehrt,
Die schönst in Turan nim! du bist der schönsten wert.
Kehr um, ich rate dir, laß guten Rat dir frommen,
Eh Kawus es erfärt, und seine Helden kommen.
Wenn Rostem kommt heran, der Perser-Pehlewan,
O Schmuck aus Turkistan, dann ists um dich getan.
Kehr um in deiner Kraft! du stehst hier an der Grenze;
Schad um die Blume, wenn sie bricht ein Sturm im Lenze.
Ich weinte selbst um dich, wenn ich dich sähe fallen;
Denn beßer hat als du mir noch kein Mann gefallen.