Rostem und Suhrab
Fünftes Buch.
F ü n f t e s B u c h .
43.
Doch zu Keikawus kam nach Istachar der Brief
Des Gesdehem, womit in Eil der Bote lief.
Der König, als er nun den Brief las, und vernam
Die üble Zeitung, ward sein Herz voll dunklem Gram.
Darauf er seines Heers Gewaltige berief,
Und viel verhandelt' er mit ihnen ob dem Brief.
Sie saßen um den Schah von Iran alle her,
Und allen ward das Herz wie ihm von Sorgen schwer.
Die Großen seines Reichs und Starken saßen alle
Ratschlagend mit dem Schah in der Chosroenhalle:
Ferabors, Guders, Tus, Keschwad, Schedosch, Roham,
Gurase, Gurgin, Gew, Milad, Ferhad, Behram.
Denselben allen gab der Schah den Brief zu lesen,
Und sprach mit ihnen dann von Suhrabs Art und Wesen:
So ist aus Turans Schooß ein neuer Kriegessturm
Gebrochen! seinem Stoß wankt Irans Friedensturm.
Schon ist in seiner Hand die weiße Veste jetzt,
Auf welche wir umsonst der Hüter zwei gesetzt.
Der alte gieng davon, der junge ließ sich fangen.
Guders! mit deinem Sohn Hedschir darfst du nicht prangen!
Du hast der Söhne viel; warum gerade gaben
Die Burg wir dem, der sie nicht hielt vor einem Knaben?
Doch, wie der Alte schreibt, so ist kein Mann der Welt,
Der diesem Ungetüm von Kind die Stange hält,
Als Rostem, Sabuls Held. Ihr, denen ist empfolen
Die Wolfart Irans, sprecht: soll man den Rostem holen?
Da sprachen Groß und Klein, und riefen insgemein: