Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 73 von 113

PDF-Seiten

Rostem und Suhrab

Kapitel 78

Ein Ross, das solch ein Mann allein bezwingen kann,

Und solch ein Mann, den solch ein Ross nur tragen kann.

Gewis, von diesem Ross und diesem Manne sind

Die Namen kund im Land; verkünde sie geschwind!

So sprach er und hielt ein; es war alsob er wüßte,

Daß Ross und Ritter Rachs und Rostem heißen müßte;

Doch wollt er, daß der Mund Hedschirs es täte kund,

Still aber schwieg Hedschir, und sprach im Herzensgrund:

 

78.

 

Was fragt der Türke nach des Reiches Pehlewan?

Und tu ich recht, wenn ich ihm Rostem kund getan?

Und tu ich Unrecht, wenn ich ihm den Feind verschweige?

Was will der Knabe, daß ich ihm den Helden zeige?

Ist er sein Sohn, wie er im Zweikampf rühmte laut?

Den Vater schaff ich ihm so wenig, als die Braut!

Der Mann von Iran kann des Türkenkinds entraten;

Ich will den Perserhort dem Erbfeind nicht verraten.

Zwar Rostem braucht ihn nicht zu fürchten in der Tat,

Allein der Türke könnt ihn angehn mit Verrat.

Drum wirds am besten sein, den Namen nicht zu melden,

Und ihn zu streichen ganz heut aus der Zahl der Helden.

Als so zur Lüge sich bereitete Hedschir,

Rief Suhrab: Sprich zu mir! was redest du mit dir?

Warum machst dus solang, bis Aufschluß ich gewinne?

Er sprach: Weil ich umsonst mich auf den Mann besinne.

Von Zeichen unbekant ist er mir ganz und gar;

Er kam wol fremd ins Land, weil ich im Schloß hier war.

Ich hörte, daß heran vom fernen Hindostan

Dem Schah zu Hilfe zog ein starker Pehlewan.

Das wird der Recke sein, entsproßt aus fremdem Samen;

Denn fremde scheint er mir, und die, so mit ihm kamen.

Doch Suhrab sprach: Wie heißt der Recke? sage mir!

Den Namen weiß ich nicht; antwortete Hedschir.