Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 110 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 115

Doch edle Spezerein will ich der Leich erteilen.

Ich ordne selbst die Pracht der Totenfeier an,

Zu ehren ihn und dich, des Reiches Pehlewan!

Sein Grab will ich aus Gold und schwarzem Marmor baun;

Nun laß das Antlitz mich des toten Helden schaun!

 

115.

 

Er sprachs, und rührete der Totendecke Rand;

Doch Rostem deckte schwer auf seinen Sohn die Hand,

Und sprach, zum König nicht erhebend sein Gesicht:

Der König Keikawus sieht Rostems Jammer nicht!

Herr König, geht nach Haus! aus ist hier Kampf und Schmaus;

Des Sohnes Leichenfeir richt ich nun selber aus.

Geschlichtet mit dem Heer der Türken ist mein Streit;

Ich gebe bis zur Grenz ihm sicheres Geleit,

Auf Suhrabs Bitte, der darum mich sterbend bat,

Weil nur das ganze Heer für ihn die Fart antrat.

Von diesem Geiste war allein das Heer beseelt,

Und ist ein toter Leib, da dieser Geist ihm fehlt.

Genommen hab ich ihm den Geist mit dieser Hand;

Nun geb ich alle frei, der eine bleibt mein Pfand.

Keikawus, geh nach Haus, in Istachar zu sagen,

Wie leichten großen Sieg du hier davongetragen:

Geschlagen sei ein Heer, weil ich den Sohn erschlagen!

Geht alle heim, und laßt mich meinen Sohn beklagen!

Er sprachs, und schwieg, und nicht erhob er sein Gesicht;

Er blickt' auf seine Leich, und hielt die Decke dicht.

Keikawus sprach: Was er verordnet, sei getan;

Mich schmerzt in seinem Schmerz des Reiches Pehlewan.

Ihr alle folget mir, Heerfürsten groß und klein!

Den Rostem laßen wir mit seinem Schmerz allein.

Der König sprachs, und gieng, und alle folgten nach,

Und Rostem blieb allein mit seinem Weh und Ach.