Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 90 von 113

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Rostem und Suhrab

Zehntes Buch.

Z e h n t e s B u c h .

 

 

95.

 

Wie nun des Tages Pfau sein farbiges Gefieder

Entfaltet', und der Rab der Nacht den Kopf bog nieder;

Umgürtete der Held den Stahl, den lebenraubenden,

Und seinen Drachen schirrt' er an, den feuerschnaubenden.

Zum Kampfplatz wie ein Sturm kam er hinan geschnaubt,

Hell glänzt' im Morgenstral der Helm auf seinem Haubt.

Im Felde sah er dort sich um, es nam ihn Wunder,

Daß noch nicht war am Ort der junge Feuerzunder.

Der trank noch Morgenwein vergnügt bei Lautenton,

Und seiner wartete der Tod, der Vater, schon.

Er sprach zu Baruman: Der grimmige Löwengreis,

Mit dem ich heute nun mich tummeln soll im Kreiß;

Er ist nicht unter mir an ragender Gestalt,

Und steht nicht hinter mir zurück an Kampfgewalt.

Wenn ich ihn seh an Brust, Arm, Schulter und Genicke,

Ist mirs alsob ich selbst im Spiegel mich erblicke;

Alsob ich selber so müßt anzusehen sein,

Wenn soviel Jahr als ihm die Sterne mir verleihn!

Des Helden Anblick treibt die Scham auf meine Wangen,

Und regt im Busen mir ein liebendes Verlangen.

O sag mir, ob er ist der Vater, den ich suche!

Damit die Welt mir nicht als Vatermörder fluche!

Was sollt ich, kehrt ich heim, der armen Mutter sagen?

Daß ich den Gatten ihr, den Vater mir, erschlagen!

Der Gatte zwar ist schon der Mutter lang entflohn;

Und desto mehr verlangt sie nun zurück den Sohn.

Zu ihr möcht ich zurück, hätt ich den Vater nur Gefunden erst, den ich hieher zu suchen fur!