Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 19 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 18

Doch die Geschichte bleibt still zwischen uns geheim.

Sag ihm, Afrasiab send ihm Hilfsmannschaft zu,

Damit nach Iran er kampflustig zieh im Nu.

Dort aber darf den Sohn der Vater nicht erkennen,

Und Niemand soll dem Sohn des Vaters Namen nennen.

Was weiß ich, ob ein Sohn des Rostem Suhrab sei?

Ich frage nicht darnach; mir feind sind alle zwei.

Wenn so den einen Feind wir auf den andern hetzen,

Können sie doch gegen uns sich nicht zur Wehre setzen.

Und wenn die beiden dort einander setzen zu,

So sehen wir dem Spiel hier mit Ergetzen zu.

Villeicht gelingt es uns: der grimme Kampfleu alt

Erliegt im Kampfe vor des jungen Leun Gewalt.

Wenn Rostem gegen uns nicht ferner Iran hält,

Im Spiele jagen wir den Kawus aus der Welt.

Dann aber wollen wir den Suhrab auch beschicken,

Mit Schlummer eines Nachts sein Auge so bestricken,

Daß ihm die Lust vergeht, nach Kronen aufzublicken!

Denn mir ist wolbekannt, daß dieser tolle Knab

Erst an Keikawus will, dann an Afrasiab.

Doch wenn dem greisen Wolf erliegt das zarte Lamm –

Wenn Suhrab wirklich ist ein Reis von Rostems Stamm –

So wird der zähe Stamm von diesem Gram sich biegen,

Und in des Kummers Schlamm der stolze Brunn versiegen.

Doch ließe mich mein Glück auch soviel nicht erwerben

Daß ich sie alle zwei säh aneinander sterben;

So hoff ich, daß uns Gott von einem mindstens helfe,

Es sei vom alten Wolf, es sei vom jungen Welfe.

 

18.

Da schrieb Afrasiab an Suhrab einen Brief,

Darin er Gottes Heil ob ihm zum Eingang rief:

Das Glück geleite dich, beherzter Heldenknabe,

Zum kühnen Werk, das ich mit Lust vernommen habe.

Dir send ich fürstliche Geschenke meiner Gnaden,

Ross' und Kamele mit Kleinodien beladen;

Türkis' aus Turkistan, aus Badachschan Rubinen,

Smaragdne Sträuße drei mit Perlentau auf ihnen.

Ich habe dir erwählt zwei Kronen edelsteinern,

Und ihnen beigezählt zwei Thronen elfenbeinern.

Froh mögest du zu Thron auf Elfenbeine sitzen,

Und über dir die Kron aus Edelsteine blitzen!

Wirst du erst Irans Kron im Streit gewonnen haben,

Dann wird Ruh auf dem Thron die Zeit gewonnen haben.

Denn ewig ist entzweit, wie Tag und Nacht im Streit,

Iran und Turan; du sollst stiften Einigkeit.

Von dieser Mark ist weit zu jener nicht der Weg;

Semengan, Turan und Iran ist Ein Geheg.

Deswegen ist gestellt Semengan auf der Scheide

Von Iran und Turan, um zu beherrschen beide.

Nun send ich Truppen dir, soviel ich nötig glaube;

Kühn setze dich aufs Ross, und auf dein Haupt die Haube!

Von meinen Feldherrn send ich dir den Baruman,

So tapfer als getreu; der sei dir untertan!

Er sei dir untertan mit allen, die er führt;

Von ihnen sei die Welt dem Feinde zugeschnürt!

Zeuch aus zu Kampf und Sieg! dich soll im Laufe stören

Kein Graben und kein Wall, und keine List betören!

Bald laße das Gerücht uns deine Taten hören!

Von meinen Söhnen all soll keiner meinem Thron

So nah stehn als Suhrab, den ich begrüß als Sohn.

Er schriebs und siegelte, und gabs dem Baruman;

Der trat nicht leichten Muts die schwere Sendung an.

In diesem Kriege war kein Ruhm ihm zu erwerben,

Als einen Helden durch den andern zu verderben.