Rostem und Suhrab
Kapitel 67
Da fanden Dach und Fach nun alle nach und nach,
Und über allen war des Himmels dunkles Dach.
Doch als an seinem Ort sich jeder eingetan,
Da trat zum Schah sofort des Reiches Pehlewan,
Und Rostem sprach: ich will nicht hier im Lager rasten,
Dort oben auf der Burg will ich bei Suhrab gasten.
Mein Herz hat keine Ruh, bis meine Augen haben
Gesehn von Angesicht zu Angesicht den Knaben.
Den Türkenknaben, den uns mit soviel Geschrei
Der Ruf genannt hat, will ich ansehn, wer er sei,
Ob wert der Mühe, daß ich auf den Rachs mich schwang,
Und eine Ehre mir, wann ich ihn niederrang.
Gewesen bin ich selbst vordem in Türkenland,
Anlegen will ich nun ein türkisches Gewand.
Darunter soll nicht, wer mich nicht beim Lichte näher
Besieht, so leicht erspähn, daß Rostem sei der Späher.
Kawus! dein Lager ist von deinem Volk verwart;
Gib, ich bin müßig hier, Urlaub zur Nachtausfart!
Mit Lachen sprach der Schah: Stets wird das Krongeschmeide
Von Iran Rostem sein, auch unterm Türkenkleide.
Am Tage nicht der Schlacht des Heeres Arm allein,
Du willst auch in der Nacht desselben Auge sein.
Geh unter Gottes Schutz! in welchem Waffenputz
Du gehn magst, unserm Reich und dir gereichs zu Nutz!
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Um seine Schultern nam ein Kleid nach Türkenart
Tehemten, und begab sich heimlich auf die Fart.
Den Panzer und den Helm und jedes Waffenstück
Ließ er im Zelt, sogar sein Schwert ließ er zurück.
Deswegen fühlte sich der Held zu Hieb und Streich
Nicht wehrlos; denn sein Arm war einer Keule gleich.
Er gieng bis er hinan zum weißen Schloße kam,
Und drinnen das Geschrei der Türken schon vernam.