Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 62 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 67

Da fanden Dach und Fach nun alle nach und nach,

Und über allen war des Himmels dunkles Dach.

Doch als an seinem Ort sich jeder eingetan,

Da trat zum Schah sofort des Reiches Pehlewan,

Und Rostem sprach: ich will nicht hier im Lager rasten,

Dort oben auf der Burg will ich bei Suhrab gasten.

Mein Herz hat keine Ruh, bis meine Augen haben

Gesehn von Angesicht zu Angesicht den Knaben.

Den Türkenknaben, den uns mit soviel Geschrei

Der Ruf genannt hat, will ich ansehn, wer er sei,

Ob wert der Mühe, daß ich auf den Rachs mich schwang,

Und eine Ehre mir, wann ich ihn niederrang.

Gewesen bin ich selbst vordem in Türkenland,

Anlegen will ich nun ein türkisches Gewand.

Darunter soll nicht, wer mich nicht beim Lichte näher

Besieht, so leicht erspähn, daß Rostem sei der Späher.

Kawus! dein Lager ist von deinem Volk verwart;

Gib, ich bin müßig hier, Urlaub zur Nachtausfart!

Mit Lachen sprach der Schah: Stets wird das Krongeschmeide

Von Iran Rostem sein, auch unterm Türkenkleide.

Am Tage nicht der Schlacht des Heeres Arm allein,

Du willst auch in der Nacht desselben Auge sein.

Geh unter Gottes Schutz! in welchem Waffenputz

Du gehn magst, unserm Reich und dir gereichs zu Nutz!

 

67.

 

Um seine Schultern nam ein Kleid nach Türkenart

Tehemten, und begab sich heimlich auf die Fart.

Den Panzer und den Helm und jedes Waffenstück

Ließ er im Zelt, sogar sein Schwert ließ er zurück.

Deswegen fühlte sich der Held zu Hieb und Streich

Nicht wehrlos; denn sein Arm war einer Keule gleich.

Er gieng bis er hinan zum weißen Schloße kam,

Und drinnen das Geschrei der Türken schon vernam.