Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 71 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 76

 

Zu fragen fuhr er fort: Dort aber rechter Hand

Vom Goldzelt, wessen ist die schwarze Zeltflorwand?

Feldposten eilen her und hin auf Rossen brausend,

Schildwachen aber stehn umher zu Fuße tausend.

Am Haupteingange ragt ein Elefant, ihn schmücken

Prachtdecken, und er trägt die Heerpauk auf dem Rücken.

Doch oben steigt die Fahn aus eines Drachen Rachen,

Mit Sternen übersät, die sie zum Himmel machen.

Wer herrscht zur Seite so dem König Keikawus?

Hedschir antwortete: Sein Kronfeldhauptmann Tus.

Das ist sein Stammesrecht, daß er im Heergefecht

Den Schah vertrete, dem verwandt ist sein Geschlecht.

Auf seinen Wink bereit, vereint auf sein Gebot,

Ist jenes Heer, das dir den Tod von ferne droht.

Und jener Himmel dort, reich an Juwelenzier,

Die Gawejani-Fahn ist es, das Reichspanier;

Das einst Feridun schwang, als er den Sohak schlug,

Der an den Schultern angewachsne Drachen trug.

Geheftet ist der Sieg an dieses heilige Zeichen,

Das ohne Mut kein Freund, kein Feind sieht ohn Erbleichen.

Doch Suhrab lächelte, und gieng mit Fragen weiter:

Im roten Florpalast, wer, sprich, ist dort der Streiter?

Er sitzt im offnen Zelt, und scheint an seinem Haar

Ein Greis bereits, um ihn steht eine Männerschaar;

Sie alle halten ihm ihr Antlitz zugekehrt,

Und jeder ehrt ihn, wie man einen Vater ehrt.

So fragt' er, und Hedschir zog aus der Brust ein Ach

Wie einen Dolch hervor, weil er zu Suhrab sprach:

Das ist Guders, der Greis, von Worte weis' und lind,

Von Schwerte stark und scharf, wie wenig Männer sind;

Ein Vater, der entbehrt fürs Alter nicht der Stützen;