Rostem und Suhrab
Neuntes Buch.
N e u n t e s B u c h .
85.
Er ritt hinaus, wo ihn der gleichgeartete,
Ein Kämpe seines Bluts, sein Sohn erwartete.
Auf Bogenschuß hinan ritt er, da hielt er an,
Da wieherten sich laut die beiden Kampfross' an:
Rachs, der den Rostem trug, und jener, der Suhrab,
Den Sohn des Rostem, jetzt entgegen trug dem Grab.
Der trug des Rostem Sohn, war selbst vom Rachs ein Sohn;
Und doppelt kam zum Kampf ein Vater und ein Sohn.
Doch eh zum Tode nun die Reiter sich anranten,
Wieherten erst sich an die Rosse, die sich kanten:
Das Wiehern war der Gruß der beiden Blutsverwandten.
So in den Thieren dort, o Wunder, sprach die Stimme
Des Blutes, die erstickt ward von der Männer Grimme.
Soviel ist blinder, als das blindgeborne Thier,
Der Mensch, der sehende, geblendet von Begier.
Die Reiter sahen an das Wiehern für ein Zeichen,
Daß ihre Rosse selbst an Kampflust ihnen gleichen;
Und selber wollten sie nun nicht den Rossen weichen.
Doch riefen sie sich nicht mit lautem Schlachtgruß an,
Entgegen hielten sie stillschweigend auf dem Plan,
Und Sohn und Vater sahn sich stumm todblickend an.
Nun kamen auch heran die Zeugen ihrer Schlacht,
Von beiden Seiten die und jene Heeresmacht:
Die Heermacht Irans hier, gewaffnet und geschmückt,
Vom Feldherrn Tus gefürt, vom Lager ausgerückt;
Die Heermacht Turans dort, den Berg herabgedehnt,
Von Barman aufgestellt, und an die Burg gelehnt.