Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 39 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 42

Wie? um ein dunkles Haar und helles Angesicht

Vergißest du die Welt, dich selbst und deine Pflicht!

Die Helden, so die Welt noch jetzt am höchsten hält,

Sie hielten höher als sich selbst nichts auf der Welt.

Sie gaben aus der Hand nicht achtlos und bedachtlos

Das Herz und den Verstand, vom Rausch der Liebe machtlos.

Wol manches Moschusreh fiengen sie ein im Scherz,

Doch binden ließen sie im Ernste nicht ihr Herz.

Denn, wer dem Adler gleich will um die Sonne werben,

Darf wie die Nachtigall nicht um die Rose sterben.

Nicht mit Eroberung von einer Welt vereint

Sich dieses, daß in Gram um einen Mond man weint.

Sohn hat zum Ruhme dich genant Afrasiab,

Und über Land und Meer schwingst du der Herrschaft Stab.

Aus Turan kamen wir hieher zu einem Werke,

Begonnen wards mit Kraft, und sei vollfürt mit Stärke!

Dir fiel ohn einen Streich des Schwertes in die Hand

Solch eine Burg, und frei steht dir nun Irans Land.

Doch ob wir so im Spiel erreichten dieses Ziel

Des Wunsches, doch bevor steht uns noch Arbeit viel.

Der König Kawus wird mit seinen Helden nahn;

Willst du entgegengehn? willst du sie hier empfahn?

Willst du entgegengehn? kleb hier nicht an den Hallen!

Willst du sie hier empfahn? laß nicht die Burg zerfallen!

Was überlieferst du in Blindheit und Betörung

Das erste Pfand des Glücks den Händen der Zerstörung?

Mach, es ist dir zu schwül, dein Herz im Busen kühl

Von Liebe, willst du stehn ein Mann im Schlachtgewühl!

Und willst du sein ein Kind, so ruh auf weichem Pfühl!

So mahnte Baruman; Suhrab hatt ihm verraten

Sein Herzgeheimnis nicht: er hatt es selbst erraten.

 

42.

So mahnte Baruman, und als darauf kein Wort

Suhrab erwiderte, fur er zu mahnen fort:

Du hast aus eignem Mut, o Jüngling, unternommen

Ein großes Werk, und wirst mit Glück zum Ziele kommen,

Wenn eins mit dir du bist! Mit dir eins, wirst du siegen;

Uneins mit dir, wirst du dir selber unterliegen:

Der Kopf besinnungslos wird unters Herz sich biegen.

Nur wer mit Festigkeit und mit Verstand ausfürt

Das Unternommne, weiß daß ihm der Ruhm gebürt.

Den Leun zu fangen, bist du auf die Jagd gegangen;

Laß dich nicht unterwegs vom bunten Panther fangen!

Bist du ein Held, ein Mann, die Welt zum Raube nim!

Die Hand streck aus! dem Schah vom Haupt die Haube nim!

Wenn diese Länder all erst deiner Herrschaft fröhnen,

Werden dir allerwerts auch huldigen die Schönen.

Die Schönheit ist die Blum, o Sohn, auf dem Gefild

Des Lebens, und die Lieb ein Thau auf Blumen mild.

Nie fehlen möge dir, o Jüngling, auf der Au

Der Jugend und des Glücks die Blume noch der Thau!

Befestige dieß Schloß zu Ehren der darinn

Erblühten, ihr zum Ruhm befestge deinen Sinn!

Wenn dir von hier der Sieg ganz Persien beschied,

In Persien ist mit inbegriffen Gurdafrid.

Wenn du den Rostem wirst vom Ross zu Boden ringen,

Laß ihn als Lösepreis Gurdaferid dir bringen!

So Baruman, und wie ein Stral durch Nebel brach

Die Red in Suhrabs Seel, er ward vom Traume wach.

Ja, rief er, von dem Ross will ich den Rostem bringen,

Und will als Lösepreis Gurdaferid bedingen!

Dem Heer gebot er: Reißt nicht, was wir haben, ein!

Und baut es wieder, daß es mög unnembar sein!

Dann setzt' er sich und schrieb Brief' an Afrasiab,

Worin er ihm Bericht vom ersten Siege gab.

 

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