Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 14 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 13

Denn da, wo Rostem ist der Vater, ich der Sohn,

O Mutter, bleibt kein Fürst der Welt auf seinem Thron.

Wo Mond und Sonne selbst im Glanzvereine stralen,

Was wollen Sterne da mit ihrem Schimmer pralen!

So rief er, und erstaunt ließ er die Mutter dort;

Mit höherm Haupt, als er gekommen, gieng er fort.

Von seinem Vater sagt' er keinem doch ein Wort,

Im Herzen macht' er ganz den Vater sich zu eigen,

Doch wenn den Mund er aufthun wollte, mußt er schweigen.

Ihm wars alsob er erst zu Rosse steigen sollte,

Wenn er als Rostems Sohn der Welt sich zeigen wollte.

 

13.

 

Zu seiner Mutter sprach Suhrab, der junge Held:

Den Vater nun zu schaun, Mutter, zieh ich ins Feld.

Dazu brauch ich ein Ross, mit meinem Mut schritthaltend,

Ein Ross mit einem Huf von Eisen kieselspaltend:

Von Stärk ein Elefant, und vogelgleich an Schwung,

Im Waßer wie ein Fisch, und wie ein Reh im Sprung,

Ein Ross, das meine Wucht und meine Waffen trage,

Und nicht von meiner Faust erlieg an einem Schlage.

Denn nicht zu Fuße ziemt zum Kampfe mir zu gehn;

Vom hohen Ross will ich dem Feind ins Antlitz sehn.

Da so die Mutter hört' ihr junges Heldenblut,

Zum Himmel hob sie stolz ihr Haupt in hohem Mut.

Sogleich befolen ward von ihr dem Hirtenvolke,

Zu bringen aus der Trift von Pferden eine Wolke,

Damit dem Suhrab käm ein Rösslein fein zur Hand,

Auf dem er säße, wann er ritt in Feindesland.

Und alles was sich fand von Pferden alzumal,

Was aufzutreiben war da zwischen Berg und Thal,

Das trieben sie zur Stadt, und Suhrab nam, der Leu,

Die Fangschnur nun, und trat zum nächsten ohne Scheu.