Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 31 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 31

Nun hab ich dich gesehn; ich hätte nie gedacht,

Daß solchen Heldenschmuck Turan hervorgebracht!

Ei! mögen ihren Krieg mit dir die Perser füren!

Du wirst die Männer all, nicht nur die Fraun, umschnüren.

Doch wünschest du, wie ich, daß ein Verständnis sei

Des Friedens zwischen uns, so gib zuerst mich frei!

 

31.

 

So sprach die Schmeichlerin, als sei sie seine Schwester;

Doch Suhrab zog die Schnur um seine Beute fester,

Und sprach: Wenn ich nun gleich die Stricke näme fort,

Woran dann hielt ich dich? Sie sprach: An meinem Wort.

Ich gebe dir mein Wort, daß, wenn es dir geliebt,

Sich dir zugleich ein Schloß und eine Braut ergibt.

Ich gebe dir das Schloß, und, ist es dir genem,

Mich selber, wenn nur will mein Vater Gesdehem.

Mein Vater ist gewis bereit daß er mich löse;

Erfärt er, wo ich bin, so wird er auf mich böse.

Ihm hinterm Rücken ritt ich aus dem Schloße fort,

Und meiner harrend steht er wol im Tore dort.

Komm! eh von oben hier mich sehn die Meinigen,

Und dich vom Lager dort herauf die Deinigen,

Und beide sich im Spott ob uns vereinigen!

Denn spotten werden sie und sagen, daß ein Mann

Wie du nie solchen Kampf mit einem Weib begann.

Was haben sie solang einander zu berichten?

So fragen sie; drum laß den Handel schnell uns schlichten.

Du reit hinan mit mir den Berg! ich gebe dir

Die Schlüßel zu dem Schloß, doch erst gib Freiheit mir!

Sie sprachs, und sah dazu ihn an mit einem Blicke,

Mit dem sie übertrug von sich auf ihn die Stricke;

Betöret nam er ihr die Fangschnur vom Genicke.

Wie fühlte sie mit Lust den schönen Nacken frei,

Und wie mit Stolz! sie sah nun erst, wie stark sie sei, Da solche Haft sie brach mit einer Schmeichelei.

Froh spornte sie ihr Ross, und ritt im Abendschein

Voraus den Schloßberg an, Suhrab ritt hinterdrein.

 

Zwischen-Dekoration