Rostem und Suhrab
Kapitel 73
Dann brach er auf vom Fest, um in den nächtigen Schatten
Bei Fackelglanz den Send mit Ehren zu bestatten.
73.
Doch Rostem kam, als er vom weißen Schloß entrann,
Ans Lager, wo die Wacht hielt Gew, sein Tochtermann.
Der wußte nicht, daß in der Nacht sein edler Schwäher
Im Türkenkleid hinaus gegangen war als Späher.
Als nun ein Mann herbei im Dunkeln kam, tat er
Vom Posten einen Schrei, und unter Wehr trat er.
Als Rostem merkt', es sei sein Eidam, froh naht' er.
Im Laufe tat er ihm entgegen einen Wuf,
Und Gew erkante gleich den Rostem an dem Ruf.
Erstaunt sprang er hinzu, und grüßt' ihn: Alter Held,
Wo bist umher gerannt zu dieser Stund im Feld?
Hast du mit Geistern deinen Bund gemacht bei Nacht,
Mit Zauberweihungen dich vorgestärkt zur Schlacht?
Denn mit Dämonen hast du kämpfend viel verkehrt;
Die haben wol ein Stück von Schwarzkunst dich gelehrt,
Daß, ohne Furcht und Leid, du ohne Heergeschmeid,
Dich aus dem Lager stilst in einem Türkenkleid!
Doch Rostem sprach: So ist die Sach! in dieses Tuch
Gewickelt, macht ich auf der Burg den Nachtbesuch.
Ich wollte mir daselbst den jungen Mann besehn,
Um dessen willen dieß Heeraufgebot geschehn.
Fern sah ich ihn, und gern wollt ich ihn sehen näher;
Doch mich den Späher hat erspäht ein andrer Späher.
Der wollte mit Gewalt ans Licht mich ziehn am Kragen;
Im Dunkeln hab ich ihn mit dieser Faust erschlagen.
Ich kam nicht sanfter los von ihm, es tat mir leid;
Doch nun verdrießt am Leib mich dieses Türkenkleid.
Schaff mir ein persisches, damit mich nicht die Hunde
Anbellen, wenn ein Türk im Lager macht die Runde!
So sprach er, und geschwind bracht ihm der Tochtermann Ein persisches Gewand, das legt' er eilig an.
Er warf das Türkenkleid von sich mit Unbehagen;
Fast wollt er lieber, daß ers nicht bei Nacht getragen,
Als ahnet' er den Lohn, den diese Tat ihm trug:
Denn sich tat ers zu Leid, daß er den Send erschlug.
Zu Kawus gieng er nicht, um ihm, was er vollbracht,
Zu sagen; in sein Zelt gieng er, und schlief die Nacht.
Zwischen-Dekoration