Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 55 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 60

Guders mit Nachdruck sprach: Wenn dich sein Wort vertrieb,

Sein Wort ruft dich zurück; so folg ihm, uns zu lieb!

Rostem mit Zögern sprach zu seinem Tochtermann:

Gew, sattle mir den Rachs, weil ichs nicht weigern kann.

Nach Hause kann ich nun allein nicht, weil Sewar,

Mein Bruder, wie es scheint, nicht nachkommt mit der Schar.

Gew sattelte geschwind, und alle saßen auf,

Den Rostem führten sie zur Stadt im Siegeslauf.

 

60.

 

Zu Hofe führten sie im Zug den Pehlewan,

Die Pforten fanden sie weit offen aufgetan.

Als er ihn kommen sah, der Schah eilt' aufzustehn,

Und mit Entschuldigung entgegen ihm zu gehn.

Er sprach: Die Heftigkeit ist mir zur Art gegeben;

Und wie uns Gott gepflanzt, so wachsen wir im Leben.

Von diesem neuen Feind, der uns so plötzlich kam,

Stieg Unmut mir ins Haupt, der mir den Sinn benam.

Du aber bist der Hort des Reichs, des Heeres Rücken;

Auf dich nur sind gelegt die Sorgen, die mich drücken.

Du bist der Edelstein, dem Glanz die Krone dankt;

Du bist der Fels, auf den gebaut der Thron nicht wankt.

Dein Wolsein ists, worauf ich früh den Becher leere,

Und dein Wolwollen, was ich in der Nacht begere.

Mit deiner starken Hand halt ich den Herrschaftstab;

Wir beide stammen ja gerad von Dschemschid ab.

Kein andrer steht so nah dem Herzen und dem Thron;

Mein Leben und mein Reich dank ich dir vielmal schon;

Und nur mein Dank allein ist deiner Taten Lohn.

Stehst du bei mir, so mag die Welt entgegenstehn;

Statt aller wünsch ich nur als Helfer dich zu sehn.

In dieser Kampfnot auch begert ich dein vor allen;

Und wie du zögertest, hat mich der Zorn befallen.