Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 81 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 86

Entgegen standen sich die beiden Heere schweigend,

Die Kampfbegier vereint nur in zwei Kämpfern zeigend.

Wie auf dem weiten Hof ein zahlreich Volk von Hennen

Untätig zusieht, wie zum Kampf zwei Hähne rennen,

Die, für ihr ganz Geschlecht von Kampfbegier entbrant,

Wenn sie erst zum Gefecht zusammen sind gerant,

Lebendig alle zwei nicht mehr zu trennen sind;

Sosehr macht Eifersucht und heißes Blut sie blind:

Die Hennen sehen zu, wie sie zusammen rennen,

Und warten, welchen sie als Herrn des Hofs erkennen;

So dort erwarteten die beiden Heere nun,

Wer als des Schlachtfelds Herr hervor sich würde tun,

Und sahen zu, bewehrt, alsob sie wehrlos wären:

Für alle ließen sie das eine Paar gewären.

 

86.

 

Doch näher kamen an die beiden Helden licht

Geritten nun, und sahn einander ins Gesicht.

Suhrab, den Ungeduld hinan zum Vater trieb,

Sprach, während eine Hand er in der andern rieb:

Komm, alter Held, wie ich gesehn noch keinen habe,

Nicht übel nim es mir! dich will bestehn ein Knabe.

Von Iran brauchen wir und Turan hier dazu

Sonst keinen außer uns, genug sind ich und du.

An Wuchse bist du hoch, an Schultern bist du stark;

Die Jahre haben doch versehrt bereits dein Mark.

Du wirst mich nicht bestehn in diesem Waffengange!

Er sprachs, und Rostem blickt' auf seine Rosenwange,

Und sprach zu ihm: Gemach, feuriges Heldenkind!

Die Erd ist kalt und hart, die Luft ist lau und lind.

Schon manche glichen dir, die nun gleich Staube sind.

Wol altershalb hab ich gesehn genug Walstätten,

Und half manch stolzes Heer im kalten Lager betten.

Die schlafen tief genug, die meinem Streich erlagen;