Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 74 von 113

PDF-Seiten

Rostem und Suhrab

Kapitel 79

Suhrab noch einmal sprach: wie heißt er? gib Bericht!

Hedschir antwortete: den Namen weiß ich nicht.

Voll Unmut ward Suhrab; des Vaters Namen wollte

Er hören da durchaus, den er nicht hören sollte.

Die ihm die Mutter gab vom Vater, alle Zeichen

Sah er, und konnte nur Gewisheit nicht erreichen.

Des Vaters Name fehlt' ihm zur Gewisheit nur,

Den er da von Hedschirs Verstockung nicht erfur.

 

79.

 

Doch ungeduldig fuhr Suhrab zu fragen fort:

Im violetten Zelt, wie heißt der Ritter dort?

Zur Antwort gab Hedschir: Den kann ich wol dir nennen;

Gurase heißt der Held, wie sollt ich ihn nicht kennen?

Ein mutger Ritter, wie zu Ross nicht viele rennen.

Doch ungeduldig gieng mit Fragen Suhrab weiter:

Im gelben Zelte dort, sag an, wie heißt der Streiter?

Zur Antwort wieder gab Hedschir: Ich kann auch ihn

Dir nennen, wenn du willst: der Kämpfer heißt Gurgin;

Ein Tapfrer, welchem gleich nicht viel zum Kampf ausziehn.

Noch einmal frug Suhrab mit ungeduldiger Hast:

Im blauen Zeltpalast, wie heißt darin der Gast?

Und wieder gab Hedschir zur Antwort: Nennen kann

Ich dir auch diesen wol: Gew, Rostems Tochtermann.

Da wendet' auf Hedschir Suhrab den Blick unhuldig,

Und sprach: Nun offenbar bist du der Lüge schuldig.

Du nennest alle mir, und nur den Rostem nicht,

Den Rostem, ohne den kein Heergefecht sich ficht!

Von all den Zelten wenn in keinem Rostem ist,

Wo wäre Rostem denn, wenn du kein Lügner bist?

Verläugnen willst du mir ihn nur aus Hinterlist.

Im grünen Zelte dort der Recke kühn und frei,

Gewis ist Rostem der, o sag mir, daß ers sei!

Denn alle, die von ihm mir kund sind, alle Zeichen Seh ich, und kann allein Gewisheit nicht erreichen.