Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 112 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 117

Dann sag ihr das zum Trost, wie du mich hast gesehn:

Daß sie nicht mein', ihr sei das Leid allein geschehn!

Dann kehre schnell! hier wart ich dein bei Tag und Nacht;

Damit uns dieser dann nach Sabul sei gebracht!

 

117.

 

So sprach er, und Sewar gieng an die Sendung schnell;

Doch Rostem rief: Schafft mir das grüne Zelt zur Stell!

Ich geh nicht hier vom Ort, wo ich den Sohn erschlagen;

Doch über ihn im Tod soll auch mein Heerzelt ragen.

So rief er, und geschwind ward von der Sabulschar

Das grüne Heerzelt aufgespannt, wo Suhrab war.

Der Vater ließ sodann in edle Spezereien

Ihn legen, daß bewart die schönen Glieder seien.

Wie eine Rose, die den ganzen Stock geschmückt,

Im Morgenthau am Stiel vom Gärtner abgepflückt,

Damit sie bleibe frisch, ins Waßer wird gesteckt;

So blühend lebensgleich lag er vom Tod gestreckt.

Auf Purpur und Brokat lag er in Gold und Seide;

So schmückt' ihn sich zur Lust der Vater und zum Leide.

Dann aber ordnet' er die Totenfeier an,

Und feierlich im Zug zog Sabuls Heer heran.

Sie zogen, Ross und Mann, am grünen Zelt vorbei,

Im Kreiß umher, mit Feldmusik und Feldgeschrei.

Den Rossen aber war geschoren Mähn und Schweif,

Und an den Pauken abgespannt der ehrne Reif;

Die Bogen ohne Senn, und alle Spitzen stumpf:

So zogen sie, und all die Pauken schollen dumpf.

Dreimal an jedem Tag, am Morgen, um die Mitte

Des Tags, und vor der Nacht, pflogen sie dieser Sitte.

Rostem auf seinem Rachs ritt nicht dem Zug voran;

Bei seinem Sohne saß im Zelt der Pehlewan.

Doch jeden Morgen sprach er da: Suhrab, mein Sohn!

Hörst du den Kriegsheerton, und wachst nicht auf davon?