Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 30 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 30

Auch Suhrab gab den Zaum dem schöngemähnten Drachen,

Und wollte nun den Tag dem Feinde finster machen.

Er kam auf seinem Hengst ihr zornig nachgeschnaubt;

Da wandte sie sich schnell, und nahm den Helm vom Haupt.

Sie glaubte beßer als durch männliches Gefecht

Sich zu verteidigen durch Schönheit und Geschlecht.

 

30.

 

Von ihrem Haupte quoll die Fülle dunkler Locken,

Und Suhrab sah ein Weib statt eines Manns erschrocken.

Er rief: Wenn solchen Kampf beginnen Perserinnen,

Ei welchen werden dann die Perser erst beginnen!

Aus Wolken Staub, und Blut aus Felsen werden haun

Im Krieg die Männer, wenn so kriegrisch sind die Fraun!

Führt, Holde, dich zu mir hernieder die Begier

Des Kampfes, oder ein Verlangen nach Hedschir?

Nun weiß ich wol, warum du droben an der Zinne

Nicht stehst, weil Kampflust dich herabführt oder Minne!

Als ich dich droben sah, dacht ich: wie schön sie ist!

Nun aber seh ich, daß du noch viel schöner bist.

Ein schöner Reh als du fiel nie in Jägerstricke;

Nie hoffe frei von mir zu machen dein Genicke!

Er riefs, und nam vom Gurt die Fangschnur weitgeringelt,

Warf sie, und Gurdafrid war um die Mitt umzingelt.

Gefangen sah sie sich, und wäre gern entgangen;

Sie sann auf schnellen Rat, den Fänger selbst zu fangen.

Die Nacht der Locken hob sie weg vom Angesicht,

Die halb es barg, und gab dem Monde volles Licht,

Indem sie lächelte, und sprach: Held ohne Scheu,

In Männermitte wie im Thierechor der Leu!

Mich zog so sehr zu dir nicht her die Kampfbegier,

Noch auch Sorg um Hedschir; wer ist Hedschir vor dir!

Nur weil von droben fern ich dich so mannhaft sah,

So edel von Gestalt, wollt ich dich sehn auch nah.