Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 47 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 50

 

Des andern Morgens trat der Bote reisefertig

Zum Pehlewan, und war des Aufbruchs nun gewärtig.

Er wartete, und sah daß nicht von selbst aufbrach

Rostem, da faßte Gew sich nun ein Herz und sprach.

Bedachtsam sprach er: Held! vernimm ein Wort in Huld!

Nun reize länger nicht des Schahes Ungeduld!

Kawus, das weißt du ja, ist jäh in jedem Ding;

Und diese Sache wiegt ihm keineswegs gering.

Drum sandt er Botschaft dir durch keinen andern Boten

Als deinen Tochtermann, und Eil hat er geboten.

Denn dieser junge Türk ist ihm ein großer Kummer,

Der Eß- und Trinkens-Lust und Ruh ihm raubt und Schlummer.

Und wenn wir länger noch in Sabulistan säumen,

Wird ihm das weite Reich zu eng in allen Räumen.

Sprich, lieber Schwäher, soll ich dir den Rachs nicht zäumen?

Im ungefügen Zorn möcht er sich uns erbosen;

Zorn des Gebietenden bringt Boten keine Rosen.

Zu ihm sprach Rostem: Laß dir das nicht Sorge werden!

Niemand darf zürnen mir und meinem Tun auf Erden.

Keikawus weiß das wol, daß er zu dieser Frist

Durch Rostems Macht allein in Iran König ist.

Er weiß auch, daß mein Schwert ihn nie im Stiche ließ,

Wo oft in Ungemach sein toller Mut ihn stieß.

Doch heute dünkt es selbst mir Zeit nun aufzubrechen;

Nun wollen wir es erst beim Morgentrunk besprechen.

So sprach er, und alsbald mit Prachtgepräng und Prunk

Ließ er bestellen dort im Saal den Morgentrunk.

Die Flasche neigt' er tief, und hob den Becher hoch,

Mit seinem Eidam sprach er dieß und jenes noch.

Den Sattel nun gebot er auf den Rachs zu heben,

Und ließ dem ehrnen Mund der Zinken Atem geben.