Rostem und Suhrab
Kapitel 82
Und rief: Will hier durchaus mir meinen Vater sagen
Niemand, so will ich gehn und selber ihn erfragen!
82.
Er stieg, von Zorn bewegt, hinab vom hohen Turm;
Gewaffnet schwang er sich aufs Ross, und ritt im Sturm.
Er ritt, sein fürstlich Haupt bedeckt mit goldnem Dache,
In ihm des Löwen Mut, und unter ihm ein Drache.
Und wie der scharfe Zorn ihm selbst die Sporen gab,
Gab er dem Ross den Sporn, und flog den Berg herab.
Der Kampflust heißes Blut in seinen Adern sott,
Ihm flog des Pulses Glut wie seines Rosses Trott;
Da kont in seinem Mut aufhalten ihn kein Gott.
Er ritt im Ungestüm dem Lager Irans zu;
Und alle, die ihn sahn anreiten, flohn im Nu.
Die alle flohn im Nu, die aus des Lagers Mitten
Dort waren auf den Plan zur Lust hervorgeritten.
Wie aus dem Waidehag, wo sie der Hut empfolen
Des Hirten sind, hervor sich wagen junge Folen,
Sich außerhalb des Hags neugierig umzutun;
Doch plötzlich einen Leun herkommen sehn sie nun;
Die Mähn am Nacken, die er sträubt, erregt ihr Graun,
Und eilig flüchten sie zurück in ihren Zaun:
So aus dem Lagerwall die sich hervorgewagt,
Wie sie den Suhrab sahn, umwandten sie verzagt.
Sie wendeten zur Flucht vor ihm ihr stolz Genick,
Und wagten nicht auf ihn zu richten einen Blick.
So furchtbar fanden sie den Türken anzuschaun,
Daß auf die Flucht allein sie setzten ihr Vertraun.
Er aber achtete der leichten Feinde nicht;
Es ward von ihm gesucht ein Gegner von Gewicht.
Er ritt vom hohen Wall des Lagers hart hinan,
Den tapfersten zum Kampf zu fordern auf den Plan.