Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 46 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 49

 

Am andern Morgen trat der Eidam reisefertig

Zu Rostem ein, und war des Aufbruchs nun gewärtig.

Doch Rostem sprach vergnügt: Du schliefest zeitig aus;

Gut, daß zu kurz der Tag uns werde nicht zum Schmaus!

Nun heute wollen wir erst recht behaglich schmausen;

Wer weiß, wie bald herein des Unheils Wogen brausen!

Wir wollen aus dem Sinn uns schlagen Graun und Grausen;

Gut Obdach haben wir, der Sturm mag draußen sausen!

Villeicht wird nie so froh uns mehr dieß Haus behausen.

Mir ist, als sollt ich mich zum letztenmal der meinen,

Der guten Freunde freun, die sich um mich vereinen!

Ihr beiden, kommt, und setzt zur Rechten und zur Linken

Euch um den Rostem her, und helft dem Rostem trinken!

Sewar, mein Bruder, hier! hier Gew, mein Tochtermann!

Mir träumte Nachts daß ich auch einen Sohn gewann.

Das kam mir in den Sinn durch jenen Türkenknaben,

Mit welchem sie vom Hof den Kopf betäubt mir haben.

Nachbringen sollst du heut beim Weine, Gew, mir dessen

Beschreibung, weil beim Wein sie gestern ward vergeßen.

Kommt, setzet euch, und laßt uns hören vom Suhrab,

Was Gew zu sagen weiß, ob dieser Wunderknab

Ist wirklich einzig auf der Welt der weiße Rab!

So sprach er, und zuerst hinpflanzt' er seine Glieder;

Der Bruder durfte nichts, der Eidam nichts dawider

Ihm sagen; wie er saß, setzten sich beide nieder.

Sewar, der Bruder, rechts, der Eidam Gew zur Linken,

Bei Rostem saßen sie, und er begann zu trinken.

Sie saßen beim Gelag, und hatten guten Tag;

Das Fest geschmückt war wie ein Himmelsrosenhag,

Mit Glanz und Tanz und Sang und Klang und Lautenschlag.

Beim Trinken sprachen sie, bis sie den Tag hinab Getrunken und herbei den Schlummer, von Suhrab.