Rostem und Suhrab
Kapitel 65
In Schreck und Hast hat er um seinen Thron gerafft
Zusammen jeden Schaft und jedes Armes Kraft;
Und hergezogen kommt er nun mit allen Helden
Von Iran, deren Preis in Turan Lieder melden.
O sage, siehst du nicht dort im Gedränge dicht
Solch einen Mann, mit dem am liebsten Suhrab ficht!
Solch einen, der nie bricht die Lanz an einem Wicht,
Und der vom Sattel gern nur seines gleichen sticht!
Wovon der Ehre Licht hinfort mein Angesicht
Bestralt, wenn ich vor ihm bestanden mit Gewicht!
O siehst du, gib Bericht, solch einen Mann mir nicht?
So fragt' er ungestüm, doch nicht beim Namen wollte
Er nennen jenen, der sobald ihn fällen sollte.
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Darauf sprach Baruman: Ich sehe mehr als einen,
Der Ehre bringen kann; doch welchen magst du meinen?
Dir lodert hoch der Mut wie eine Feuerglut;
O falle nicht dein Brand in kalte Waßerflut!
Der Feuerbrand, wenn er ins Waßer fällt, so zischt
Er ungestüm und braust, qualmt unmutvoll und lischt.
Nie fühle Furcht ein Mann, jedoch Feind und Gefar
Acht er niemals gering; das Glück ist wandelbar.
Soweit es will, führt dichs ohn Anstoß; willst du weiter
Um einen Schritt, so stockt das Ross und stürzt der Reiter.
In Frieden schlief der Krieg, du hast ihn aufgeweckt;
Weißt du, nach welcher Beut er seine Krallen streckt?
Darum, wenn du mich siehst erzittern: nicht für mich,
Für alle, die das Loß kann treffen, zitter' ich;
Ich zitter' auch für dich, weil dich es treffen kann;
Denn wo das Unglück wält, wälts nicht den schlechtsten Mann.
Geh mannhaft in den Kampf, und dem Afrasiab
Trag ab dafür den Dank, der dir die Heermacht gab!