Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 75 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 80

Von allen, die ich sah im Lager fern und nah,

Wünsch ich, daß keiner sei Rostem, als dieser da.

O sag mir, daß ers sei! und sei belohnt und frei!

Der vor dem grünen Zelt, sag, daß es Rostem sei!

 

80.

 

Hedschir sprach: Ei, was forscht so deine Ungeduld

Nach ihm! nicht gern wär ich an deinem Tode schuld.

Wo Rostem wär im Feld, nicht würdest du es halten;

Denn Rostem ist ein Held von furchtbaren Gewalten.

Wo Rostem auf dem Rachs sich hebt zum Werk der Rache,

Da kann nicht stehn vor ihm der Löwe noch der Drache.

Ein jeder Blick von ihm ist Tod, ein jeder Hauch

Von ihm ist Sturm, ihm sinkt entwurzelt Baum und Strauch.

Ich wünsche keinem, daß er mög ein Gegner sein

Von Rostem, wär er auch ein Berg von Kieselstein;

Er würde dich, alswie die Mühl ein Korn, zermalmen,

Zertreten, wie ein Tritt von Elefanten, Halmen.

Fest schnüren möchtest du am Leib dein Gürtelband;

Es würde locker, wenns erblickte Rostems Hand.

Allein zu deinem Glück ist nah nicht das Gewitter;

Denn mit Schah Keikawus hat sich entzweit der Ritter.

Erzürnt ist er vom Hof nach Sabul heimgeritten,

Dort sitzt er nun beim Schmaus in seines Schloßes Mitten.

Dort trinkt er fröhlich Wein beim Fest im Rosengarten,

Und will den Ausgang dieses Kriegs in Ruh erwarten.

So sprach er; ob ers nur erlog, ob ers erfur

Vom lügenden Gerücht, das kam von Irans Flur?

Das traurige Gerücht, das dort bei Nacht dem frohen

Erlag, war aus der Stadt villeicht zur Grenz entflohen.