Rostem und Suhrab
Kapitel 24
Doch von der Zinn hinweg und von der Jungfrau warf
Den Blick nun der und der auf seinen Gegner scharf.
Im Sattel jeder sich gleich einem Feuer schwang,
Und setzte seinen Hengst wie einen Berg in Gang.
So schnell da Schaft mit Schaft sich durcheinander flocht,
Daß man den einen nicht vom andern kennen mocht.
Nach Suhrabs Mitte stieß Hedschir den blanken Schaft;
Am festen Gurte fand die Spitze keinen Haft.
Doch Suhrab bog zurück den eignen Sper behende,
Und an den Gegenmann legt' er das untre Ende.
Recht zwischen Mann und Gaul schob er den Hebebaum,
Und aus dem Sattel flog Hedschir und merkt' es kaum.
Zur Erde warf er ihn alswie ein Felsenstück;
Da lag er, und es blieb kein Sinn an ihm zurück.
Vergangen war die Welt vor seinem Augenlid,
Der Himmel und das Feld, die Burg und Gurdafrid.
Vom Pferde Suhrab sprang und saß ihm auf die Brust;
Er hatte nun den Kopf ihm abzuschneiden Lust.
Da drehte sich Hedschir, und stützt' auf einen Arm
Sich schwach, den andern streckt' er vor, und rief: Erbarm!
Laß gnug sein an der Schmach, daß so mein Stolz zerbrach,
Und mich im Angesicht der Burg dein Sper abstach!
Wie wird die Stolze sich an meinem Sturze weiden!
Das tötet mich; du brauchst dieß Haupt nicht abzuschneiden.
Nun ist sie frei von mir; du nim mich hier gefangen!
Du kanst im fremden Land Kundschaft durch mich erlangen.
Wer, da ich dir erlag, wird dir noch widerstehn?
Laß mich gefangen mit zu deinen Siegen gehn!
24.
Er schwieg, und harrte stumm auf Tod nun oder Leben;
Und sich entschloß der Held ihm nicht den Tod zu geben.
Er dachte: Wenn ich ihn gefangen mit mir führe,
Lock ich manch andren Fang villeicht in meine Schnüre.