Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 52 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 56

 

So sprach der edle Greis und schwieg, doch Kawus nam

Zu Herzen, daß der Rat aus gutem Sinne kam.

Zu Guders sprach er: Wolgesprochen ist das Wort

Der Alten: Greisenmund voll Rates ist ein Hort.

Mich reuts, es reuete mich schon, was ich im Kochen

Des ungestümen Bluts Verletzendes gesprochen.

Geht schnell dem Rostem nach, den Ritter zu beschwichtigen,

Und bringt ihn her, damit wir das Versehn berichtigen!

Mit großer Freude nam Guders das gute Wort;

Heil, rief er, sei dem Schah! und gieng in Freude fort

Zur Ratsversammlung dort, die harrten ungeduldig

Ob huldig jetzt der Schah sei oder noch unhuldig.

Denn unstet immerhin ist eines Fürsten Sinn;

Da stiftet Schaden bald ein Wort und bald Gewinn.

Das Wort ist gleich dem Oel, doch eines Königs Mut

Ist bald wie Meeresflut, und bald wie Feuerglut.

Das Oel, gegoßen in die Flamm, erneut ihr Leben;

Gegoßen auf die Flut, macht es die Wogen eben.

Drum waren hocherfreut die Fürsten allzusammen,

Daß dort auf Wogen traf das Oel, und nicht auf Flammen.

Sie fühlten ihre Brust von einem Band entkettet,

Und von dem Dornenpfül auf Rosen sich gebettet,

Als Guders Kunde gab, wie sich die Flut geglättet,

Und riefen eines Munds: Nun ist Iran gerettet!

Zurückgewonnen ist dem Reich sein Pehlewan,

Der ihm des Sieges Bahn vorangeht auf Turan.

Nun laßt den Ritter uns nur unterwegs einholen,

Eh noch in Sabul er vom Fuße schnallt die Solen!

 

57.

 

Zu Rosse stiegen sie, und ritten bei der Nacht

Hinaus, wo Botschaft schon dem Rostem Gew gebracht.

Er hörte den Bericht vom Eidam an verdroßen,

Und blieb zur Heimkehr nach Sabulistan entschloßen,

Sobald nur mit der Schar ihm käme nach Sewar;

Statt dessen stellten sich ihm jetzt die Fürsten dar.

Zu bitten traten sie hinan zum Pehlewan,

Der, wie er nahn sie sah, aufstand sie zu empfahn;

Doch Guders trat voran, und hub zu bitten an:

Wir bitten dich vom Schah, ich komm in seinem Namen;

Sieh alle Fürsten hier, die dich zu bitten kamen!

Für Iran bitten wir, dess Pehlewan du bist,

Für Irans Volk, das dir zum Schutz empfolen ist;

Für seine Jünglinge, die kämpfen lernen sollen,

Für seine Männer, die im Kampf dir folgen wollen;

Für seine Greise, die sich selber nicht mehr nützen,

Für seine Kinder, die sich noch nicht können stützen,

Für seine Fraun, die du versprochen hast zu schützen!

Warum willst du zum Raub der Türken hin uns werfen,

Weil dich ein Königswort verletzt mit bittern Schärfen?

Du weißt ja, daß Kawus hat wenig Hirn im Haupt,

Und heftger Zorn ihn oft des Sinnes gar beraubt;

Dann ist sein Wort nicht fein, wenn er im Unmut schnaubt.

Er spricht geschwind ein Wort, das er geschwind bereut,

Worauf er schnell die Hand auch zur Versöhnung beut;

Er bietet sie durch uns, weis' uns zurück nicht heut!

Ist doch kein giftges Schwert das Wort, das dich gestochen!

Und zürnest du dem Schah um das, was er gesprochen;

Doch die Iranier, was haben sie verbrochen,

Daß du sie strafen willst für seinen Unverstand,

Dein Angesicht in Nacht abwenden ihrem Land?

Doch auch der Schah streckt dir entgegen seine Hand.

Er ist der Schah, und hat zu lohnen und zu spenden;

Vergelten wird er dir mit voller Gnade Händen

Den Zorn und den Verdruß; Verdruß und Zorn laß enden!

Und folg uns mit dem Rachs zu dem, der uns geschickt,

Dem Schah, der schon vom Thron nach dir erwartend blickt.