Rostem und Suhrab

Friedrich Rückert · Kapitel 34 von 113

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Rostem und Suhrab

Kapitel 34

 

Sie sprachs, und schwieg, und stieg hinab vom Mauerkranz;

Noch lang sah Rostems Sohn empor im Abendglanz,

Als säh er noch ihr Bild, als hört er noch ihr Wort;

Zum Lager langsam dann ritt er im Unmut fort.

Dem Schloß zur Seite lag am Berggehäng herab

Ein reicher Anbau, der dem Schloße Nahrung gab.

Da waren Gärten, Bäum und manches Saatenfeld;

Daran ließ seinen Zorn nun aus der junge Held.

Ins Lager rief er laut: Ihr Türken, kommt heraus!

Verbreitet um euch her schnell der Zerstörung Graus!

Uns bietet Trotz die Burg, die dort im Spätrot lodert;

Vergebens hab ich heut die Schlüßel abgefodert.

Sie sei zu Fall gebracht, sobald der Tag erwacht;

Und vor der Nacht sei jetzt ein Anfang schon gemacht.

Zerschmettert dieß Gebälk, zertrümmert diese Planken,

Brecht dieß Gezäun entzwei, werft nieder diese Schranken!

Haut diese Fruchtbäum um, entwurzelt diese Reben,

Und mähet diese Saat! sie soll nicht Körner geben.

Dieß ist der Boden, wo sie ihren Vorrat pflanzen,

Womit sie droben dann sich halten in den Schanzen.

Nun steige Staub und Rauch und Dampf und Qualm empor,

Und kündig ihnen an, was ihnen steht bevor!

Des Burgvogts Tochter liebt vom hohen Wall zu schauen;

Nun schaue sie, wie hier wir ihr den Garten bauen!

Wühlt diese Beeten um, wo ihre Rosen blühn,

Und stopft die Quelle, die ihr macht den Rasen grün!

So rief er, und sein Heer fiel wie ein Hagelschlag

Aufs angebaute Land, bis alles wüste lag.

Stillschweigend sah er zu, und als der letzte Keim

Zerstört war, ritt er abgekühltes Zornes heim.

 

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